AKTUELLES

 



Januar 2023

Haller Tagblatt vom 4. Januar


Dezember 2022


Mit Schirm, Charme und Methode – oder war es die Melone
Der Verein Theatermacher Hall startete nun schon zum zweiten Mal mit der Theatergruppe „Spätlese“ - Menschen ab 60 Jahren. In biografischer Arbeitsweise leitete die Theaterpädagogin Silvie Beiermann zusammen mit ihrem Team (Carolin Sadler, Claus Fuchshuber, Walter Petschko) elf SeniorInnen durch Spiel - Experimentier – und Probenzeiten.
Mit Stellungnahmen zum Thema Charme – charmant, was heißt das heutzutage, startete die Gruppe. Gibt es noch die „gute Kinderstube“ , höre ich noch auf mein Gewissen? Wann fühle ich mich arm, wann reich, wann einsam? Die Gruppe durchlief einen effektiven Prozess, erprobte sich mit eigener Wahrnehmung auf der Bühne, schlüpfte in fremde Rollen und wurde zum Ensemble. Als Team mit wertschätzendem Umgang meisterten sie es ebenso, flexibel mit kurzfristigen Veränderungen umzugehen.
Für die Umsetzung des Stückes folgte als erstes die Frage an die Theatergäste: Was führt zur Einsamkeit? So sammelten sich viele Antwortzettel an der Wolke, die dann auf der Bühne schwebte.








Das Publikum nahm Platz und war dem Himmel nah. Von dort schaute man auf zwei Welten; Luzze mit Adjudant Bruzzel besuchen Schutze in ihrem Himmelreich – da bleiben Spannungen nicht aus. Die Diskussion der beiden beim „Menschen schauen“ auf der Erde über die richtige Lebenseinstellung lässt die Lust auf eine Wette aufkommen. Doch immer wieder müssen sie feststellen, dass ihre gegensätzlichen Methoden, auf Einsamkeit, Altersarmut und Intoleranz einzuwirken, nicht gelingen wollen: So wandelt sich ein Obdachloser (Manfred Reich) durch das Tragen der Melone von Luzze (Walter Petschko) zum „Chef im Ring“. Da liegt es nahe, dass auch Schutze (Sabine Woitke) ihren Schutzschirm einsetzt und so den Menschen zu Mitgefühl verhilft. Bruzzels (Gerhard Bergius) Aufgabe, Protokoll für die „dunkle Seite“ zu führen, stimmt so manchen nachdenklich.

Mit der Frage nach dem Ergebnis eröffnet sich in tänzerischer Weise das Resumee: Es wimmelt von Schutzschirmen und Melonen in der Menschenwelt – stellvertretend für die Auswahl von Eigennutz und Gemeinnutz, die jeder selbstverantwortlich für sich treffen muss.                                          

Die Darsteller*innen: Elisabeth Guechida, Vreni Röhrens, Christiane und Joachim Mehlis, Martina H., Elvira Probst-Lipski, Britta Eckert von Grotthuß sowie Aliosia Jauch.
Mit diesem Bühnenstück traute sich die Spätlese, richtig heiße Eisen anzupacken; Szenen mit Tiefgang, mit unterhaltender Komik eingefasst in eine Rahmenhandlung und garniert mit musikalischen Einlagen.


Als ein Spiegel der gesellschaftlich-zeitkritischen Situation machte das Stück typische menschliche Charaktereigenschaften für jedes Alter erlebbar.